Therapieindividualisierung unterstützt eine optimale Hepatitis C-Therapie
Hepatitis C ist eine schwerwiegende und potentiell lebensbedrohliche Erkrankung, bei der sich Betroffene mit dem Hepatitis C-Virus (HCV) infiziert haben. Nadine Piorkowsky, Präsidentin der European Liver Patients Association (ELPA) hat auf dem diesjährigen Jahrestreffen der European Association for the Study of the Liver (EASL), vom 22. bis 26. April in Kopenhagen, darauf hingewiesen, wie wichtig eine verbesserte Aufklärung und Behandlung der Viruserkrankung ist. Weltweit sind etwa 200 Millionen Menschen mit dem Virus infiziert. Langzeitfolgen der chronischen Variante können nicht nur Leberzirrhose und Leberkrebs sein, sondern auch eine Lebertransplantation erfordern.
Die Therapiedauer einer Hepatitis C-Virusinfektion (HCV) ist von mehreren Faktoren abhängig, weshalb eine möglichst individuell angepasste Behandlung sinnvoll ist. Patienten mit den HCV Genotypen 2 und 3 haben bereits sehr gute Aussichten auf Heilung (bis zu 90%). Der Genotyp 1 ist noch etwas schwieriger zu behandeln: Derzeit können etwa 40-50% der Patienten mit dem HCV Genotyp 1 geheilt werden. Neben dem Genotyp sind auch die Viruslast im Serum sowie der Abfall der Viruslast am Anfang der Behandlung für eine Prognose der Behandlungsdauer entscheidend.
Neue Studien zur Therapieindividualisierung auf internationalem Kongress präsentiert
Relevante Ergebnisse zeigte die von Essex Pharma initiierte und erstmals auf dem EASL präsentierte INDIV-2-Studie, an der 398 Genotyp 1-Patienten teilgenommen haben. 94% der 33 Patienten, die zu Beginn der Therapie bereits eine niedrige Viruslast aufwiesen und schnell auf die Behandlung angesprochen haben (bis Woche 4), konnten dauerhaft geheilt werden. Die Therapie erfolgte über einen Zeitraum von 24 Wochen mit Peginterferon und Ribavirin.
Wer früh auf die Behandlung anspricht, hat gute Chancen
Die Woche 4 ist ein wichtiger Meilenstein der Behandlung, an dem der Abfall der Viruslast zum ersten Mal gemessen wird. In der IDEAL (Individualized Dosing Efficacy vs. flat dosing to Assess optimaL pegylated Interferon therapy)-Studie, an der 3.070 Patienten mit HCV Genotyp 1 beteiligt waren, hatten nach der 4. Therapiewoche bereits 11% der Patienten auf die Kombinationstherapie angesprochen. Im weiteren Verlauf erreichten 92% dieser Patienten 24 Wochen nach Behandlungsende ein dauerhaftes virologisches Ansprechen (SVR, Sustained Virological Response).
Prof. Sulkowski von der Medizinischen Hochschule der John Hopkins Universität, USA, betonte auf dem EASL in Kopenhagen, dass eine den Zeitpunkt des virologischen Ansprechens mit einbeziehende Therapie eine Heilung begünstigen könne. Patienten, die rasch auf die Therapie ansprechen, haben insgesamt eine verbesserte Chance nach Ende der Behandlung dauerhaft virusfrei zu sein. Daher ist nach Sulkowski der Zeitpunkt des virologischen Ansprechens auch entscheidend, denn die verbesserten Aussichten auf Heilung bei schnellem Ansprechen auf die Therapie können die Motivation der Patienten steigern und somit auch eine regelgerechte Medikamenteneinnahme über die empfohlene Therapiedauer fördern. Die IDEAL-Sudie zeigte auch: Wurden die Medikamente regelmäßig, jedoch mindestens zu 80% der empfohlenen Tagesdosis über mindestens 80% der empfohlenen Therapiedauer eingenommen, konnten tatsächlich bessere Chancen auf Heilung beobachtet werden.
Neue Medikamente in der Pipeline
Auf dem EASL in Kopenhagen wurden außerdem Erfolge in der Entwicklung neuer antiviraler Medikamente gegen Hepatitis C vorgestellt. Ein neuer Proteasehemmer wurde mit den Wirkstoffen der Standardtherapie, Peginterferon und Ribavirin, kombiniert. Die Patienten erhielten zunächst die beiden Standardwirkstoffe. Nach vier Wochen Therapie wurde zusätzlich der Proteasehemmer in oraler Form verabreicht. Um die Dauer der Behandlung in Zukunft individuell an die Ausgangssituation und die Viruslast der Patienten anpassen zu können, wurde die dazugehörige Studie in zwei Arme unterteilt. Bei einer 48-wöchigen Therapie konnten bereits gute Erfolge erzielt werden: Insgesamt waren 75% der Patienten mit einer Genotyp-1 Infektion am Ende der Behandlung dauerhaft geheilt. Wurde die Behandlung auf 28 Wochen insgesamt verkürzt, konnten 56% der Erkrankten eine dauerhafte Virusfreiheit erreichen. Interessant ist, dass bei einer 48-wöchigen Therapie 94% der Patienten, die schon in Woche 4 der Kombination mit Boceprevir – und somit schnell – auf die Therapie angesprochen hatten, geheilt werden konnten. Die Therapie wird in weiteren Studien getestet und in Deutschland voraussichtlich ab 2012 anwendbar sein.



