Studienergebnisse vom internationalen Leberkongress
Auf dem diesjährigen Jahrestreffen der European Association for the Study of the Liver (EASL), vom 14. bis 18. April in Wien galt der Auswirkung genetischer Faktoren auf den Therapieerfolg bei einer HCV-Infektion besondere Aufmerksamkeit.
Das individuelle Ansprechen auf eine Therapie bei chronischer Hepatitis C variiert stark. Der HCV-Genotyp wird dabei als wichtigster Faktor angesehen. Durch die Einführung der Kombinationstherapie aus pegyliertem Interferon alfa und Ribavirin konnten die Heilungschancen deutlich verbessert werden. Die HCV-Infektionen mit den Genotypen 2 und 3 werden häufiger erfolgreich behandelt als Infektionen mit dem HCV-Genotyp 1. Bei optimaler Dosis und Behandlungsdauer wird heute bei ca. 50 % der HCV-Genotyp 1-Patienten eine dauerhafte Virusfreiheit erreicht (SVR) und bei über 80 % bei Genotyp 2 und 3. Jedoch sprechen 15 bis 25 % von Anfang an nicht adäquat auf die Behandlung an (Non-Responder).
Genveränderung hat Einfluss auf Therapieerfolg
Neueste Forschungsergebnisse aus Subanalysen der IDEAL (Individualized Dosing Efficacy vs. flat dosing to Assess optimaL pegylated Interferon therapy)-Studie, an der 3.070 Patienten mit HCV-Genotyp 1 beteiligt waren, haben jetzt gezeigt, dass die Wirksamkeit der aktuell auf dem Markt befindlichen Therapie aus Peginterferon alfa und Ribavirin von der erblichen Veränderung eines Gens beeinflusst wird. Patienten, bei denen eine bestimmte Veränderung in einer Region um das Interleukin-28B-Gen festgestellt wurde, erzielten etwa doppelt so häufig eine dauerhafte Virusfreiheit (SVR) als Träger von anderen Genveränderungen an der gleichen Stelle. Auffällig waren hierbei die deutlichen Unterschiede hinsichtlich des Auftretens dieser günstigen Genveränderung in den verschiedenen ethnischen Gruppen. Unter den Afroamerikanern trugen nur 16 % das veränderte Gen während es 39 % der Patienten europäischer Abstammung aufwiesen. Bei 82 % der Träger mit europäischen Vorfahren konnte eine dauerhafte Virusfreiheit (SVR) erzielt werden im Gegensatz zu nur 42 % bzw. 33 % bei Trägern der anderen Genveränderungen.
Entscheidend für die höhere Heilungsrate war in den Studien unter anderem ein besseres Ansprechen auf die Behandlung während der ersten 4 Therapiewochen (RVR). Jedoch erreichten europäische Träger der günstigen Genveränderung auch ohne ein rasches Ansprechen auf die Therapie eine hohe Heilungsrate von 77 % im Vergleich zu nur 39 % und 28 % bei den Trägern der anderen möglichen Veränderungen auf diesem Gen. Die Ergebnisse lassen vermuten, dass auch Spontanheilungen einer Hepatitis-C-Infektion durch Veränderungen an dem Gen beeinflusst werden, und dass es auch an der natürlichen Reaktion des Immunsystems auf die HCV-Infektion beteiligt ist.
In Zukunft könnte diese Methode zu einer personalisierten Therapie führen, bei der ein Gentest vor Beginn der Behandlung helfen würde, die individuelle Therapiedauer und –chance besser einzuschätzen.
Gesundheitliche Faktoren, die Heilungserfolge verschlechtern
Weitere Ergebnisse des EASL waren folgende:
- Bei Hepatitis-C-Patienten, die unter einer Kombination der Symptome Übergewicht, Insulinresistenz, Bluthochdruck und hohen Blutfettwerten, dem sogenannten Metabolischen Syndrom, leiden, sind die Heilungschancen im Vergleich zu Patienten ohne diese gesundheitlichen Risikofaktoren verringert.
- Schlechtere Behandlungsergebnisse zeigten auch Patienten mit erhöhtem HDL-Cholesterin, das allgemein als positiv beurteilt wird, da es das Risiko von Gefäßverkalkungen reduziert.
