Hepatitis - Was ist das eigentlich?

Eine virale Hepatitis ist eine Entzündung der Leber (lat. Hepar = Leber, -Itis = Entzündung), die fast immer durch das Hepatitis A-, B-, C-, D- oder E-Virus hervorgerufen wird. Das Hepatitis A- und Hepatitis E-Virus verursachen eine akute Hepatitis, die ohne Behandlung ausheilt und keinen chronischen Verlauf nimmt. Hepatitis A- und E-Viren werden fäkal-oral übertragen: Verschmutztes Trinkwasser, nicht ausreichend gekochte oder verunreinigte Lebensmittel (Meeresfrüchte, Eis, Obst, Salat), und schlechte hygienische Bedingungen können die Ursache der Infektion sein. Deshalb sollte man bei Reisen in Länder mit niedrigem Hygienestandard diese Risikofaktoren möglichst meiden, um nicht an einer „Reisehepatitis“ zu erkranken. Neben vorsorgenden Hygienemaßnahmen sollte vor der Reise in gefährdete Länder auch eine prophylaktische Impfung durchgeführt werden. Eine Impfung gegen das Hepatitis E-Virus ist allerdings momentan noch nicht möglich.

Zwischen einer Infektion mit dem Hepatitis A-Virus und der akuten Erkrankung liegen etwa 10 bis 42 Tage. Häufige Symptome sind Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Übelkeit und Oberbauchbeschwerden. Außerdem kann die so genannte Gelbsucht (Ikterus) als Symptom auftreten. Gelbsucht zeigt sich in einer Gelbfärbung der Haut und Augen.

Die Übertragung des Hepatitis B-Virus erfolgt durch Blut-Blut-Kontakt. Besteht die Infektion länger als 6 Monate, spricht man von einer chronischen Hepatitis B, zu der es im Erwachsenenalter nur in 5 bis 10% der Fälle kommt. Das ist der Grund dafür, dass die akute Hepatitis B-Infektion nicht mit Medikamenten behandelt wird, sondern den Betroffenen Bettruhe und der Verzicht auf Alkohol und andere die Leber belastende Substanzen verordnet wird. Auch die mögliche Hepatitis B Impfung wird bei bereits bestehender Infektion nur sehr selten angewandt. Durch eine chronische Hepatitis B-Infektion kann die Leber nachhaltig geschädigt werden: In der Folge kann eine Leberzirrhose entstehen, durch die es zur Entwicklung eines Leberkrebses kommen kann. Zwischen der Infektion und dem Auftreten eines Lebertumors können allerdings 20 bis 40 Jahre vergehen.

Ebenso wie das Hepatitis B-Virus werden auch die anderen Hepatitis-Viren Hepatitis C und D durch Blut-Blut-Kontakt übertragen. Das Hepatitis D-Virus ist ein „unvollständiges“ Virus, das zur Vermehrung einige Bestandteile des Hepatitis B-Virus benötigt. Die Hepatitis D-Infektion tritt somit stets in Kombination mit Hepatitis B auf. Eine Hepatitis B-Impfung schützt  also gleichzeitig vor einer Infektion mit dem Hepatitis D-Virus.

Mit der Entwicklung gentechnischer Methoden gelang es 1988 schließlich das Erbmaterial eines weiteren Hepatitis-Virus nachzuweisen: das Hepatitis C-Virus. Die Hepatitis C-Infektion stellt ein globales Problem dar. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind etwa 170 Millionen Menschen weltweit mit dem Hepatitis C-Virus infiziert. Die Schätzungen für Deutschland liegen in einer Größenordnung von 400.000 bis 800.000 Betroffenen, wobei pro Jahr mehrere tausend Neuinfizierte hinzukommen: Laut einer aktuellen Statistik des Robert-Koch-Instituts wurden in Deutschland im Jahr 2005 6.793 Neuinfektionen gemeldet. Da jedoch viele Infektionen nur eine milde Symptomatik aufweisen und daher unbemerkt verlaufen, liegt die Dunkelziffer wahrscheinlich wesentlich höher.

Zwanzig bis 30% der Patienten mit chronischer Hepatitis C entwickeln innerhalb von ca. 30 Jahren eine Leberzirrhose, die mit fortschreitender Infektionsdauer jeden Patienten betreffen kann. Das Risiko an Leberkrebs zu erkranken ist bei den Betroffenen erhöht und ihre Lebenserwartung verringert. Aufgrund der häufigen Mutationen des Hepatitis C Virus sind die gebildeten Antikörper schnell wieder wirkungslos. Dem Immunsystem gelingt es somit nicht, das Virus erfolgreich zu bekämpfen. Aus diesem Grund ist es derzeit noch nicht möglich, einen Impfstoff gegen das Hepatitis C-Virus herzustellen, denn auch die durch die Impfung gebildeten Antikörper würden durch die Mutation des Virus wirkungslos werden.

Bei einer genauen Analyse des Hepatitis C-Virus (HCV) zeigte sich, dass es außerdem verschiedene Genotypen gibt, die mit den Ziffern 1 bis 6 bezeichnet werden. Die HCV Genotypen unterscheiden sich im Hinblick auf ihre geographische Lage, ihre Verteilung auf die verschiedenen Altersgruppen und die Erfolgaussichten bei der Therapie. Der in Deutschland häufigste Genotyp 1 findet sich bei etwa 70% der Betroffenen und wird meistens bei älteren Patienten ab 50 Jahren diagnostiziert. Leider sind die Therapieansprechraten beim Genotyp 1 schlechter als bei den Genotypen 2 und 3. Die Heilungschancen liegen mittlerweile durchschnittlich bei über 50%. Bei den Genotypen 2 und 3 sind sie mit 80 bis 90% deutlich besser. Wichtig ist vor allem eine frühzeitige Behandlung der Hepatitis C-Infektion, um schwer wiegende Leberschäden und ihre Folgen zu verhindern.


Weitere Informationen:

zurück zum Artikelarchiv