Hepatitis C
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Historie
Bis 1988 kannte man nur das Hepatitis A-Virus und das Hepatitis B-Virus, die für weit mehr als die Hälfte der viral ausgelösten Leberentzündungen verantwortlich waren. Allerdings gab es einige Verlaufsformen der Leberentzündung, die sich von der Hepatitis A und B unterschieden. Dort ließen sich weder Marker für das Hepatitis A-Virus noch für das Hepatitis B-Virus nachweisen. Man nahm an, dass es noch weitere Hepatitisviren geben musste, und sprach von Non-A-Non-B-Hepatitis. Mit der Entwicklung gentechnischer Methoden gelang es schließlich das Erbmaterial eines weiteren Hepatitis-Virus nachzuweisen und so den wichtigsten Erreger dieser Non-A-Non-B-Hepatitis (verursacht ca. 90% aller Non-A-Non-B-Hepatitis-Fälle) zu identifizieren. Er wird als Hepatitis C-Virus bezeichnet.
Prävalenz

Die Hepatitis-C-Virusinfektion stellt ein globales Problem dar. Nach Angaben der WHO sind etwa 170 Millionen Menschen (3%) weltweit mit dem Hepatitis C-Virus infiziert. Man schätzt, dass in Europa über 9 Millionen Menschen mit diesem Virus infiziert sind. Die Schätzungen für Deutschland liegen in einer Größenordnung von 400.000 bis 800.000 Personen, wobei pro Jahr mehrere Tausend Neuinfizierte hinzukommen. Da jedoch viele Infektionen nur eine milde Symptomatik aufweisen und daher unbemerkt verlaufen, liegt die Zahl der Neuinfizierten wahrscheinlich wesentlich höher.
Ansteckungswege, Risikogruppen
Das Risiko einer Hepatitis C-Infektion durch direkten Blutkontakt, z. B. durch kontaminiertes Material (Nadeln, Kanülen usw.), liegt bei 3 bis 10%. Entscheidend für den Ausbruch der Infektion ist die aufgenommene Virusmenge.
Übertragungen durch Tätowierungen, Piercing, Ohrlochstechen oder Kokainschnupfen (mit Tausch der Applikationsröhrchen) sind in Einzelfällen beschrieben.
Genauso sind Übertragungen des Hepatitis C-Virus durch gemeinsames Benutzen von Nassrasierern, Nagelscheren und Zahnbürsten gemeldet.
Da das Hepatitis C-Virus erst seit 1989 bekannt ist, werden Bluttransfusionen erst seit 1991 auf Hepatitis C-Viren getestet. Seit dieser Zeit ist das Risiko durch eine Bluttransfusion an einer Hepatitis C zu erkranken deshalb als sehr gering einzuschätzen. Bei Patienten, die in der Zeit vor 1991 eine Transfusion erhielten und damit als Risikopatienten eingeschätzt werden, sollte daher ein Anti-HCV-Test durchgeführt werden.
Am häufigsten fragen Patienten und deren Angehörige nach der sexuellen Übertragbarkeit der Hepatitis C. Die Antwort lautet: Hepatitis C ist sexuell übertragbar, das Risiko ist allerdings gering (1-3%). Im Gegensatz zur Hepatitis B hat dieser Übertragungsweg eine untergeordnete Bedeutung. Es wird vermutet, dass die Übertragung von der Viruslast abhängig ist. Zur Sicherheit sollten daher Kondome verwendet werden.
Die Prävalenz von Anti-HCV bei Sexualpartnern von Menschen mit chronischer Hepatitis C liegt zwischen 0 und 10%. Bei Kindern und Partnern von Infizierten sollte ein Anti-HCV-Test vorgenommen werden.
Höhere Übertragungsraten werden bei Paaren asiatischer Herkunft beobachtet. Gründe dafür sind bislang unklar. Außerdem wurde festgestellt, dass ein deutlich höheres Infektionsrisiko bei häufig wechselnden Geschlechtspartnern, Prostitution oder einer zusätzlichen Infektion mit HIV besteht. Auch bei Strafgefangenen besteht ein Durchseuchungsgrad, der deutlich über dem Durchschnitt liegt.
Symptome
Viele Patienten mit einer Hepatitis C-Infektion fühlen sich nicht krank. Die meisten HCV-Infizierten leiden bei Ausbruch der Erkrankung an unspezifischen Symptomen wie bei einer Grippe. Die Betroffenen fühlen sich müde und schlapp, berichten über Nachtschweiß und Gliederschmerzen. Viele haben keinen Appetit mehr. Nur bei etwa 20 % der HCV-Infizierten kommt es in der akuten Phase zu einem typischen Ikterus (Gelbfärbung der Haut). Durch die Schwellung der Leber kann es dabei auch zu Schmerzen im rechten Oberbauch kommen.
Bei einer akuten Hepatitis ist der Ikterus ein „gutes“ Zeichen, die Heilungschance der Patienten ist in dieser Konstellation besonders groß.
Trotz dieser im Allgemeinen milden Symptomatik steckt eine ernste Lebererkrankung hinter diesem Erscheinungsbild.
Patienten mit chronischer Hepatitis C haben ein erhöhtes Risiko innerhalb von 30 Jahren eine Leberzirrhose zu entwickeln. Etwa 20 bis 30% der HCV-Infizierten sind davon betroffen. Das Risiko, an Leberkrebs (Hepatozelluläres Karzinom, HCC) zu erkranken, ist durch die möglicherweise entstehende Leberzirrhose ebenfalls erhöht. Somit kann die Lebenserwartung von Patienten mit Hepatitis C durch die Folgen der fortschreitenden Lebererkrankung deutlich eingeschränkt sein.
Prävention
Es ist im Moment nicht möglich einen Impfstoff gegen den Hepatitis C-Virus herzustellen. Daher müssen eigenständige Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden wie zum Beispiel bei häufig wechselnden Sexualpartnern auf ausreichenden Schutz beim Geschlechtsverkehr zu achten und den mehrmaligen Gebrauch von Spritzen zu vermeiden.
Besonderheiten
Aufgrund der kurzen Halbwertszeit des Hepatitis C-Virus von etwa einem Tag werden bei den Patienten täglich über 10 Milliarden Virionen (Tochterviren) neu gebildet. Aus dieser enorm hohen Neubildungsrate resultiert eine hohe Genomvielfalt. Antikörper, die gegen ein bestimmtes Virus gebildet wurden, sind gegen die mutierten Virionen immer wieder wirkungslos. Es gelingt dem Immunsystem nicht mehr, das Virus erfolgreich zu bekämpfen (ähnliches ist von der HIV-Infektion bekannt). Dies ist auch der Grund, warum es im Moment nicht möglich ist, einen Impfstoff gegen das Hepatitis C-Virus herzustellen. Zudem werden die durch die Impfung gebildeten Antikörper aufgrund der Mutation des Virus wirkungslos.
Bei einer genauen Analyse des Hepatitis C-Virus (HCV) zeigte sich, dass es außerdem verschiedene Genotypen gibt (bezeichnet mit den Ziffern 1 bis 6). Diese unterscheiden sich in ihren Hüllproteinen. Die Genotypen werden wiederum in Subtypen (bezeichnet mit den Buchstaben a, b, c usw.) untergliedert.
Die einzelnen Genotypen unterscheiden sich in:
- der geographischen Verteilung: In Deutschland sind die Genotypen 1a und 1b am häufigsten (ca. 70%), gefolgt von den Genotypen 2 und 3, während in Nord- und Zentral-Afrika z. B. der Genotyp 4 und in Vietnam sowie Thailand der Genotyp 6 vorherrschend sind.
- der Verteilung auf die verschiedenen Altersgruppen in Deutschland: Der Genotyp 3a findet sich vorwiegend bei jüngeren Patienten und bei intravenös Drogenabhängigen. In der Altersgruppe ab 50 Jahren wird dieser Genotyp selten festgestellt. Der Genotyp 1 dagegen, der mit ca. 70% den größten Anteil der HCV-Infektionen in Deutschland und den USA ausmacht, findet sich vor allem bei älteren Patienten, die sich über Bluttransfusion infiziert haben.
- und den Erfolgsaussichten bei der antiviralen Therapie: Zunächst nahm man an, dass die unterschiedlichen Genotypen (Subtypen) eine unterschiedlich ausgeprägte Leberentzündung (günstiger oder ungünstiger Verlauf) bedingen würden. Dies ist erfreulicherweise jedoch nicht der Fall. Bei dem schwerer behandelbaren Genotyp 1 liegen die durchschnittlichen Heilungsraten bei knapp über 50%. Von den Patienten mit den Genotypen 2 und 3 können bereits zwischen 80 und 90% geheilt werden.
Therapie
Die antivirale Therapie der Hepatitis C-Infektion basiert auf der Verabreichung des Gewebshormons Interferon (IFN) alfa, das beispielsweise bei Vorliegen einer Grippe vom Körper produziert wird sowie dem Nukleosidanalogon Ribavirin. Die Behandlungsergebnisse der antiviralen Therapie konnten in den letzten Jahren erheblich verbessert werden.
Der Einsatz der Kombinationstherapie aus pegyliertem Interferon und Ribavirin hat die Erfolgsraten der Therapie der chronischen Hepatitis C deutlich erhöht: Im Vergleich zu ca. 10% Ansprechrate mit einer Interferon alfa-Monotherapie konnten die dauerhaften virologischen Ansprechraten (Sustained Virological Response, SVR) auf über 50% durch die Kombinationsbehandlung mit Peginterferon alfa und Ribavirin verbessert werden. Bei Patienten, die mit den HCV-Genotypen 2 und 3 infiziert sind, konnte mittlerweile sogar ein dauerhafter Therapieerfolg von über 80% erreicht werden. Da die Pegylierung des Interferons zu einer verlängerten Wirksamkeit führte, muss es nur noch einmal wöchentlich verabreicht werden. Derzeit sind zur Behandlung der chronischen Hepatitis C-Virusinfektion zwei pegylierte Interferone zugelassen: Das Peginterferon alfa-2a und das Peginterferon alfa-2b.
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