Frau K., 45 Jahre alt aus Bochum
Es war 2 Tage nach meinem 42. Geburtstag als mir mein Arzt eröffnete, dass ich mit dem Hepatitis C-Virus infiziert bin. Monatelang hatte ich unter einer unerklärlichen Müdigkeit gelitten, fühlte mich schlapp und war oft sehr unkonzentriert.
Vor 3 Jahren, meine Tochter war ein knappes Jahr alt, gab es eine Situation, die mir verdeutlichte, dass mit mir irgendetwas nicht in Ordnung war. Zu dieser Zeit war ich nicht berufstätig, sondern betreute mein Kind. Und obwohl mein quirliges Mädchen durch die Wohnung tollte, schlief ich einfach müde und erschöpft auf dem Sofa ein. Meine kleine Tochter war nicht in der Lage mich zu wecken! Dieses Erlebnis hat mich so erschreckt, dass ich endlich zu meinem Arzt ging. Die Diagnose war niederschmetternd: Hepatitis C! Ich erinnere mich noch genau wie ich im Behandlungszimmer saß. Ich hatte tausend Gedanken gleichzeitig: Wie fit werde ich in Zukunft sein? Gibt es überhaupt eine Zukunft? Wie lange noch kann ich mein Kind betreuen? Werde ich sehen, wie meine Kinder erwachsen werden? Habe ich meine Familie infiziert?
Diese größte Angst, dass ich meine Kinder oder meinen Mann angesteckt haben könnte, bestätigte sich zum Glück nicht.
Die erste Reaktion meines Mannes war Verdrängung: Er wollte das Gefühl bewahren, es sei alles in Ordnung, weigerte sich zunächst, sich einem HCV-Test zu unterziehen. Meine Eltern und Verwandten reagierten geschockt, unterstützten mich aber während dieser Zeit auch in praktischen Dingen. Aus dem Freundeskreis dagegen haben sich viele nach und nach von mir abgewandt, nachdem sie die Diagnose "Hepatitis C" gehört hatten. Damals habe ich gemerkt, wer wirklich ein Freund ist und zu mir hält.
Die Entscheidung, eine Therapie zu machen, hat mich sehr beschäftigt. Was bedeutet Therapie im Alltag? Wie belastbar werde ich sein? Kann ich dann arbeiten? Ich hatte große Angst, dass ich aufgrund der Nebenwirkungen der Therapie nicht mehr all das leisten könnte, was meinen Alltag ausmacht – Arbeit, Haushalt, Familie.
Doch da ich mich aufgrund meiner Erkrankung bereits monatelang schlecht gefühlt hattte, entschied ich mich für die Behandlung. Ich wollte die Chance haben, endlich wieder gut zu leben. Das Vertrauen zu meinem Arzt war für mich sehr wichtig, sowohl bei der Entscheidung für die Therapie als auch während der Behandlung. Das Wissen, dass ich jederzeit zu ihm gehen kann, und dass er mich ernst nimmt, war für die Motivation wichtig.
Über die Nebenwirkungen der Therapie hatte ich mich bereits im Vorfeld umfassend informiert: Ich wusste, was auf mich zukommt. Zum Glück konnte ich während der Behandlung stundenweise arbeiten gehen. Fast während des gesamten Zeitraums litt ich unter Husten. Am schlimmsten aber war für mich das Nachlassen der Konzentrationsfähigkeit. Mein Sohn erzählte einen neuen Witz aus der Schule, die ganze Familie lachte und ich saß daneben und konnte die Zusammenhänge so schnell nicht erfassen. Ich fühlte mich ausgegrenzt. Manchmal regte ich mich über die kleinsten Dinge auf und war gegenüber meinen Kindern ungerecht und ungeduldig. Erst nach der Therapie ist mir bewusst geworden, wie aggressiv ich zeitweise war. Heute bin ich viel gelassener.
Um die lange Behandlungsdauer durchzustehen hielt ich mir vor Augen, dass meine Lebensqualität schon durch die Symptome der Hepatitis C sehr stark eingeschränkt war – ich konnte also durch die Therapie nur gewinnen. Ein großer Ansporn, die Zeit der Therapie durchzuhalten, war das Testergebnis in Woche 12. Die Viren waren nicht mehr nachweisbar! Das hat mich ungeheuer motiviert. Ich hatte ein Erfolgserlebnis. Zu diesem Zeitpunkt habe ich gewusst, dass meine Chancen erhöht sind, das Therapiziel zu erreichen. Dadurch konnte ich auch die Wartezeit nach dem Ende der Behandlung besser aushalten.
Das Testergebnis blieb negativ. Ich war überglücklich. Jetzt ist es für mich, als habe ich ein neues Leben. Und ein gutes Leben: Ein Leben, dass ich zuvor lange Zeit nicht mehr hatte. Es war, als hätte ich eine Energie zurück gewonnen, die ich vermutlich zuletzt als Teenager verspürt hatte. Nun ist sie wieder da. Ich merke erst jetzt, wie viel Lebensqualität mir gefehlt hat.
